Vereinheitlichung vs. Heterogenität:

Vereinheitlichung vs. Heterogenität:

(Gerechte) Lastenteilung als komplexe Interdependenz in der NATO

In diesem Arbeitspapier der Serie „Aus der Forschung“ (1/2024) wird die Geschichte der Lastenteilung in der NATO aufgearbeitet. Der politische Anlass war die Frage, ob und wie NATO-Mitgliedstaaten den Defence Investment Pledge (DIP) von 2014 einhalten werden. Der DIP gab den Anstoß zur Frage, wie Lastenteilung zwischen sehr verschiedenen NATO-Mitgliedstaaten erfunden und dann durch geübte Praxis fortentwickelt wurde. Die Studie zeigt, dass es sich früher als unmöglich erwies, von allen Mitgliedstaaten die gleichen Beiträge zu erwarten und zu fordern. Gerechtigkeit als Gleichheit durch einen gemeinsamen Maßstab stieß an die Grenzen der Heterogenität. Deshalb zielte Lastenteilung darauf ab, verschiedenste Beiträge zur kollektiven Verteidigung des Bündnis grob über den Daumen zu peilen und miteinander zu verrechnen.

Der DIP stellte dieses historisch gewachsene Verfahren auf den Kopf, weil er einen gemeinsamen Maßstab setzte: der Anteil der Verteidigungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt der Mitgliedstaaten. Damit wurde die bisherige Gerechtigkeitsformel von Lastenteilung – Erwartung und Forderung von Mitgliedsstaat-spezifischen Beiträgen, die Heterogenität berücksichtigten und nutzten – aufgegeben. Auf diese Weise werden Lasten, die sich nicht ökonomisch unter der genannten Formel subsumieren lassen, nicht mehr in die Lastenteilung und die Verrechnung zwischen Mitgliedstaaten einbezogen.

Das Arbeitspapier diente zur Vorbereitung des Aufsatzes in der Zeitschrift für Internationale Beziehungen (2/2025), mit dem zusammen mit anderen Beiträgen in einem Symposium der verstorbenen NATO-Expertin Prof. Dr. Helga Haftendorn gedacht wird.

Aus der Forschung (1/2024)