Probleme kollektiven Handelns in der NATO
Die NATO als zwischenstaatliche Organisation von Mitgliedstaaten, die sich zum Zweck der kollektiven Verteidigung mit einander verbündet haben, stellt vielfältige Beispiele zur Verfügung, wie Probleme kollektiven Handelns entstehen, wirken und überwunden werden. Denn die Mitgliedstaaten verspüren ständig den Anreiz, ihre eingegangenen Verpflichtungen zu verweigern, einen Beitrag zu leisten, damit die NATO als Ganzes unteilbare Sicherheit herstellt. Um dennoch dieses kollektive Gut – unteilbare Sicherheit – gewährleisten zu können, entwickelte die NATO ein reichhaltiges Repertoir an Problemlösungen, um zu verhindern, dass die Mitgliedstaaten sich ihren eingegangenen Verpflichtungen entzogen und Versprechen einfach unerfüllt ließen. Dieses Repertoir ist die wichtigste wissenschaftliche Erklärung dafür, dass Staaten ihre Verpflichtungen weitgehend einhalten, dass dadurch das kollektive Gut unteilbare Sicherheit hergestellt wird und dass die NATO als Bündnis zusammenhält.
In: Sebastian Meyer (ed.) (2023): Research Handbook on NATO. Cheltenham, UK: Edgar Elgar, pp. 191-206.
Edgar Elgar Publ. (English only)